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Verfasst am 01.11.2019 um 13:23 Uhr

Flora und Fauna in unseren Gärten

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Artenvielfalt im Klimawandel von Sven Wachtmann

Eine Untersuchung des Bundesverbandes der Deutschen Gartenfreunde (BDG) zur Artenvielfalt in unseren Gärten ergab ein Ergebnis von 2.094 Kulturpflanzenarten (Studie des BDG 2008 – Broschüren --> Fachartikel --> Artenvielfalt.pdf).


Maßnahmen in unseren Gärten
• Bevorzugte Verwendung von widerstandsfähigen, resistenten, hitze- und trockenheitstoleranten, robusten, heimischen, vielfältigen, samenfesten, tief wurzelnden Sorten und Arten. Stichwort „Klimapflanzen“ bzw. „Klimabäume“
• Nutzpflanzen aus wärmeren Regionen wählen
• Möglichst eine Fruchtfolgegestaltung und/oder Mischkulturanbau wählen
• Anbautermine von Gemüse verändern (nach vorne und hinten verschieben)
• Hoch- und Hügelbeete einsetzen
• Pflanzen mit ungefüllten Blüten verwenden
• Blühzeiten der Pflanzen für das ganze Jahr schaffen
• Blumenwiese anlegen (auf mageren Böden, Sandböden, sonnige Standorte)
• Wildformen bevorzugen
• Pflanzen wählen, die Feinstaub aus der Luft filtern, Sauerstoff produzieren, Schatten spenden, das Stadtklima verbessern und Tieren eine Heimat bieten
• Gartenhygiene: Pflanzen beobachten, dadurch Schädlinge rechtzeitig erkennen und Möglichkeiten zur gezielten Bekämpfung finden (z.B. Nützlinge zur Schädlingsbekämpfung einsetzen)
• Mehrung des Grünvolumens (CO2-Senkung)
• Klima- und standortangepasste Gartengestaltung, neue Gestaltungsformen für einen Garten schaffen
• Anlegen von Biotopen, Gartenteichen (kein Fischbesatz), Wasserstellen, Trockenmauern (ohne Fugenmasse), Steinhaufen (sonniger Standort), Insektenhotel, Nistplätze, Erd-, Laub- und Reisighaufen, Sandinseln
• Einsatz von Dach- und Fassadenbegrünung (natürliche Staubfilter, kälte- und wärmedämmend) - sofern erlaubt
• Vernetzung von Grünflächen

Probleme unserer Flora und Fauna

• Hitzeschäden an Früchten, Blättern und Stamm

• Neue tierische Schädlinge, die sich an höhere Temperaturen angepasst haben, wie Thripse und Zikaden

• Pflanzen haben Stress, können Erderwärmung, Rekordhitzesommer und Extremwetterlagen nicht immer gut verkraften


Klimafeste Bäume anbauen?

Erst die eigenen (Obst-)Bäume beobachten, wie sie mit dem Klimawandel zurechtkommen, bevor man Bäume fällt. Ist eine Verwendung von klimafesteren Pflanzen gegeben, wären Pflanzen aus dem südosteuropäischen Mittelmeerraum bis in den hinteren Kaukasus. Ähnliche potenzielle Klimakandidaten gibt es aber auch in Nordamerika und Asien. Alle Pflanzen sollten möglichst stark schattenspendende Blätter aufweisen, was bei klimafesten Pflanzen sehr schwierig ist, denn Bäume von sonnigen Standorten haben meist geschlitzte oder Fiederblätter, wie z.B. Robinie.

An sehr trockene und warme Standorte angepasste Pflanzen erkennt man an ledrigen oder/und behaarten Blättern, die die Pflanze vor zu starker Verdunstung schützen. Die Japanische Zelkove (Zelkova serrata), der Schnurbaum (Styphnolobium japonica) und die Amerikanische Sumpf-Eiche (Quercus palustris) wären klimafeste Bäume für unsere Region. Für die Zukunft sind trockenheitsangepasste Pflanzen notwendiger denn je.


Anbaumöglichkeiten von Gemüse und Zierpflanzen

In Zukunft wird der Anbau von mehr wärmeliebenden Arten, die derzeitig in Südeuropa zu Hause sind, im Garten möglich sein. Da wären zum Beispiel die Melonen zu nennen. Die durch den Klimawandel veränderten Bedingungen werden wir bei veränderten Saat- und Pflanzterminen einplanen müssen.


Veränderungen bei Gemüsepflanzen

Der Blumenkohl benötigt niedrige Temperaturen, um den Wechsel von der Blattbildung zur Anlage einer Blüten- und Samenanlage (Vernalisation) zu bekommen. Für diese Umstellung benötigen die Blumenkohlpflanzen, etwa im achten Blattstadium, eine kühle Periode. Dabei bilden die Pflanzen zunächst einmal einen Blumenkohlkopf (Blume), der sich viel später zu einem Blütenstand streckt und Samen bildet. Wenn aber eine längere Periode höhere Temperaturen von über 20 °C herrscht, kann diese Phase nicht durchlaufen werden, und es bildet sich keine Blume aus.


Veränderung bei Obstgehölzen

Bei Obstkulturen wurden bereits Auswirkungen der Erwärmung der vergangenen Jahre beobachtet. Im Niederelbe-Gebiet wurde eine Verfrühung der Apfelblüte von durchschnittlich 18 Tagen innerhalb der letzten 30 Jahre ermittelt. Warme und trockene Witterung während der Monate Juli, August und September begünstigen die Bildung von Blütenknospen außerordentlich. (Quelle: Anleitung zum Obstbau 23. Auflage, 1911)


Wichtigkeit des Stadtgrüns

Das Stadtgrün wird als Klimaregulator, Feinstaubfilter, Kohlendioxidbinder und Sauerstoffproduzent immer wichtiger.


Sven Wachtmann

(Vorstandsmitglied für Fachberatung des Landesverbands Berlin der Gartenfreunde e. V.)




Der Beitrag ist auch in der Verbandszeitschrift 'Berliner Gartenfreund', Oktober 2019, Seite 10/29, Verlag W. Wächter, erschienen.