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Verfasst am 12.06.2018 um 15:12 Uhr

Natur- und klimabewusstes Gärtnern

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Der Flyer: Tipps zum Downloaden und Ausdrucken



Eva Foos, Sven Wachtmann, Fritz Reusswig


Warum sind unsere Gärten so bedeutsam für die Stadt im Klimawandel?

Gärten und Grünflächen sind stadtklimatisch wertvoll, unverzichtbar und sozial. Sofern Gärten ausreichend mit Wasser versorgt sind, schaffen sie an heißen Sommertagen eine angenehme Verdunstungskühle. Besonders im bioklimatisch belasteten Innenstadtbereich ist dieser Effekt sehr willkommen und notwendig. Gartenböden speichern Niederschlagswasser. Dies ist bei zunehmenden Starkregenereignissen wichtiger denn je. 


Gartenböden und Bäume dienen zudem als CO²-Speicher, spielen also auch im Hinblick auf den Klimaschutz eine wichtige Rolle. Auch die lokale und häufig biologische Produktion von Obst und Gemüse leistet einen Beitrag zum Klimaschutz. 


Kleingärten und Gemeinschaftsgärten sind außerdem soziale und interkulturelle Begegnungsstätten und Bildungsräume. Das alles macht den Wert von Gärten in der Stadt unermesslich!

Wie wirkt sich der Klimawandel auf unsere Gärten aus?

Der Klimawandel bringt für die Gärten viele Herausforderungen mit sich. Mit den zunehmenden Starkniederschlägen besteht die Gefahr der Nährstoffauswaschung, Erosion und Belastung von Grund- und Oberflächenwasser. Auch Überschwemmungen können resultieren. Gleichzeitig werden Trockenperioden und Hitzewellen sehr viel häufiger auftreten. Die Verdunstungsrate nimmt zu und kann zu extrem niedrigen Bodenfeuchtesituationen führen. Für viele Pflanzen ist diese Über- oder Unterversorgung mit Wasser problematisch. 


Auch der Schädlingsdruck ist nicht zu unterschätzen. Längere Vegetationsperioden, höhere

Temperaturen und atmosphärische Kohlenstoffdioxid-Gehalte hingegen bergen auch Chancen, die durch klimaangepasste Gärten produktiv nutzbar sind.

Was tun auf der eigenen Parzelle?

Sie als Kleingärtner haben viele Möglichkeiten, klimabewusst zu gärtnern. Vieles davon ist altbekanntes naturnahes Gärtnern. Zu Zeiten des Klimawandels sind diese Aspekte noch bedeutsamer denn je (Beispiele):

• Mulchen offener Flächen (z.B. mit Heu, Stroh, Grasschnitt)

• Ganzjährige Bodenabdeckung aller Flächen (Bepflanzen oder Mulchen)

• Gründüngung nach der Ernte (z.B. mit Leguminosen)

• Effiziente Bewässerung (am besten früh morgens)

• 1-2 Mal pro Woche intensiv bewässern (bis 25 Liter pro qm; statt täglich geringe Mengen)

• Auffangen und Nutzen von Regenwasser

• Einsatz von Tröpfchenbewässerung

• Förderung von Nützlingen

• Verwendung hitze- und trockenheitstoleranter, frühreifer (Ernte vor der Sommertrockenheit), tief wurzelnder Kulturen (z.B. verschiedene Gräser) bzw. standortgerechter Sorten und Arten. 


Ihr Kleingarten trägt zu angenehmen Temperaturen und zum Regenwassermanagement der Stadt bei. Unterstützend sind hierbei beispielsweise:

• Feuchtbiotope und Gartenteiche

• Max. Versiegelung der Parzelle bis 6 Prozent (ohne 24 qm-Laube)

• Wasserdurchlässige Beläge bei Wegen und anderen befestigten Flächen. Darüber hinaus können Sie in Ihrem Garten etwas für den Klimaschutz tun, indem Sie z.B. auf torfhaltige Blumenerden verzichten und eine Garten-Solaranlage betreiben.

Was tun in der Kleingartenanlage?

Auch auf der Ebene eines Vereins können wir einiges bewegen und zu einer klimaangepassten Stadt und zum Wohlbefinden unserer Pächter und der Nachbarschaft beitragen, z.B. durch:

• Teiche und Feuchtbiotope (Verdunstungskühle und Regenwassermanagement)

• Notwasserwege bzw. Dränage (wegen möglicher Starkregenmengen)

• Dach- und Fassadenbegrünung

• Wetteranlage (z.B. Berliner Gartenwetter)

• Aufklärung der Pächterinnen und Pächtern zu Gesundheitsrisiken (Hitze, Pollenauftreten u.a.)

• Kostenlose Trinkwasserspender auf den Wegen und Plätzen

• Schattige Sitz- und Ruheplätze auf den Gemeinschaftsflächen

• Öffentlichkeitsarbeit durch Veranstaltungen, Webseiten, Printmedien, Aushänge, „Willkommenspforten“ u.ä.

• Bildungsangebote wie (Klima-) Schaugärten, Lehrpfade, Schulungen für Externe

• Kooperation mit Bildung, Umwelt- und Naturschutz, Wissenschaft u.a.m. 


Weitere Informationen

Webseite des Landesverbandes Berlin der Gartenfreunde e.V. für weiterführende Informationen zur Klima-Kampagne „Berlin im Klimawandel – Kleingärtner tun was fürs Wetter“


Facebook-Seite als Plattform für Diskussion und Erfahrungsaustausch


Zugang zu weiteren Webseiten finden Sie über das virtuelle „Gartentor“ der Humboldt-Universität zu Berlin: 

… zum Beispiel zum Projekt „Urbane Klimagärten: Eine Bildungsinitiative in der Modellregion Berlin“. In Kooperation von HU, Berliner Kleingärtnern und weiteren Projektpartnern entstanden u.a. Themenblätter und Schautafeln zum „(Stadt-)gärtnern im Klimawandel“. Die entsprechende Ausstellung können Sie beim Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V. kostenfrei ausleihen.

… und zum neuen Projekt „Grüne Klimaoasen: Integrierte Stadtgrünentwicklung in Berlin Marzahn-Hellersdorf“. Dort arbeiten u.a. die HU, der BUND (Landesstelle Berlin), das Bezirksamt und die Bezirksverbände der Gartenfreunde von Marzahn-Hellersdorf an der (Weiter-)Entwicklung von „Grünen Klimaoasen Kleingarten(anlagen)“.


Eva Foos, Humboldt-Universität zu Berlin

Sven WAchtmann, Landesgartenfachberater

Dr. Fritz Reusswig, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung