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Verfasst am 06.06.2018 um 17:02 Uhr

Vom Kleingarten zur grünen Klimaoase

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Nachhaltigkeit zum Anfassen - Hinweise zur Gestaltung der eigenen Parzelle und der Vereinsfläche


Eva Foos


Kleingärten beziehungsweise Kleingartenanlagen gewinnen mit Blick auf den Klimawandel zunehmend an Bedeutung für die Stadt. Vor diesem Hintergrund gilt es, diese als Grüne Klimaoasen zu erhalten und weiterzuentwickeln. Unter „grünen Klimaoasen“ verstehen wir Grünflächen, wie zum Beispiel Kleingartenanlagen, die 

  • zur Klimaanpassung der Stadt ebenso wie zum Klimaschutz beitragen,
  • die menschliche Gesundheit fördern,
  • wohnortnah für die Bevölkerung zugänglich sind,
  • zu einem angenehmen Aufenthalt im Grünen einladen und
  • klimaangepasst angelegt und gepflegt werden.


Aktiv werden

Dabei ist es bedeutsam, die eigene Parzelle, die gesamte Kleingartenanlage und letztendlich die ganze Stadt in den Blick zu nehmen. Denn wie Pächter und Pächterinnen Gärten und Anlagen gestalten und pflegen, hat einen Einfluss auf das Klima in der Stadt.


Ressourcen schonen

Klimaschutz im eigenen Garten bedeutet insbesondere, auf torfhaltige Pflanzerden zu verzichten und Ressourcen zu schonen, beispielsweise durch die Verwendung regionalen Saat- und Pflanzgutes. Auch die eigene Solaranlage und das Beziehen von Ökostrom sind bedeutsam.


Verdunstungskapazität erhöhen, schattige Orte schaffen

Für ein angenehmes Klima, auch über die Kleingartenanlage hinaus, gilt es, in Hitzezeiten für Kühlung zu sorgen. Dabei geht es vor allem darum, die Verdunstungskapazität von Kleingärten zu erhöhen, die Luftzirkulation in die Umgebung zu gewährleisten und schattige Ruheorte zu schaffen. Als Schattenspender bieten sich begrünte Rankgitter an sonnenexponierten Orten und die Bank unter einem Obstbaum an. Hinsichtlich der Luftzirkulation bekommt die gesetzlich vorgeschriebene maximale Heckenhöhe von 1,20 m eine neue Bedeutung. Teilweise sind Kleingartenanlagen von höheren Hecken umfriedet. Hier wäre eine luftdurchlässige Bepflanzung anzustreben. Für Verdunstungskühle ist ein möglichst hohes Grünvolumen wichtig. (Obst-)Bäume spielen hier eine besondere Rolle. Dabei gilt es, die Pflanzen gut mit Wasser zu versorgen. Auch pflanzenbestandene Wasserflächen (Feuchtbiotope und Gartenteiche) sorgen an Hitzetagen für eine angenehme Kühle.


Durchlässige Böden

Ein weiterer wichtiger Beitrag, was Kleingartenanlagen zudem für die Stadt im Klimawandel leisten, ist Ihr Beitrag zu einem dezentralen Regenwassermanagement, das heißt Regenwasser wird vor Ort versickert anstatt oberflächig abzufließen. Dadurch werden negativeAuswirkungen von Starkregenereignissen wie Bodenerosion, Verunreinigungen von Gewässern und Überschwemmungen reduziert. Es geht vornehmlich darum, die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens zu fördern. Ein lebendiger, humoser gut mit organischem Material angereicherter Boden ist hier bestens aufgestellt. Eine ganzjährige Bodenbedeckung ist essentiell und verlangsamt neben weiteren wertvollen Effekten das Austrocken des Oberbodens. Eine Bodenversiegelung sollte in der gesamten Kleingartenanlage möglichst vermieden werden. Für Wege und Abstellflächen stehen bei Bedarf versickerungsfähige Materialien zur Verfügung. Mulden, Teiche und Feuchtbiotope fangen Niederschläge auf und entlasten somit den Regenwasserabfluss. Außerdem stellen sie wichtige Lebensräume für Nützlinge dar.


Akurate Gartenpflege, aber Nützlinge fördern

Zu einer klimabewussten Anlage und Pflege der Parzellen und Anlagen gehören weitere Aspekte. Den sich verändernden Schädlingspopulationen begegnen Sie am besten durch eine akkurate Gartenpflege und das Fördern von Nützlingen. Im Hinblick auf eine bedarfsgerechte angepasste Nährstoffversorgung Ihres Gartens sind Bodenanalysen sehr zu empfehlen. Eine Zusatzbewässerung sollte bedarfsgerecht und effizient erfolgen: Regenwasser auffangen, Tröpfchenbewässerung und frühmorgendliches Bewässern sind drei empfehlenswerte Strategien.


Gesundheitsvorsorge

Auch im Hinblick auf Gesundheitsvorsorge gilt es einiges zu beachten: Beispielsweise führen zunehmende Hitze und die verlängerte Vegetationsperiode zu früherem und längerem Pollenauftreten. Die Konzentration und Aggressivität der Pollen nehmen zu. Hier ist vor allem in der Mittagshitze nicht nur für Allergiker Vorsicht geboten.


Kühle, Wasser und Wissen teilen

Menschen brauchen wohnortnah Zugang zu grünen Wohlfühlorten. Kleingartenanlagen spielen hier eine besondere Rolle. Als grüne Klimaoase können sie zum Verweilen einladen, schattige Ruhe- und Spielmöglichkeiten und auch kostenfreie Trinkwasserspender anbieten. Außerdem können Vereine ihren Erfahrungsschatz und ihr Wissen über Bildungsangebote und Fachberatung teilen und sich weiter vernetzen, zum Beispiel mit Naturschutz, Wissenschaft und Sozial- und Bildungseinrichtungen.


Viele der vorgestellten Aspekte sind mancherorts bereits Garten- und Vereinsalltag. Andere können noch stärker Berücksichtigung finden. Einige können nur mit Unterstützung anderer gesellschaftlicher Gruppen umgesetzt werden. Am Ende nutzen Kleingarten(anlagen) als grüne Klimaoasen der Stadt und ihren Bewohnerinnen und Bewohnern genauso wie Ihnen als Pächter und Pächterinnen.



Eva Foos, Humboldt-Universität zu Berlin 


Weitere Informationen

Im Projekt „Grüne Klimaoasen: Integrierte Stadtgrünentwicklung Berlin Marzahn-Hellersdorf“ arbeiten wir mit den Bezirksverbänden der Gartenfreunde und weiteren Partnern an der Weiterentwicklung grüner Klimaoasen


Klimagärten: Anregungen zum klimaangepassten Gärtnern